Mehr Welten bei den Edugeeks

Mehr Welten bei den Edugeeks

Edugeeks – was soll das bitte sein? Edu, der Verdacht drängt sich förmlich auf, steht für Education. Und Geeks sind Nerds mit Freunden. Wir sprechen also von der Form von Nerds, die ihr Wissen und ihre Kompetenz für Fragestellungen der (Aus-)Bildung zur Verfügung stellen. Und das ist bitter nötig.

Das Treffen der Edugeeks fand gestern Abend in den Räumlichkeiten der Kölner Stadtbibliothek statt. Denn die hat sich etwas auf die Fahne geschrieben: geeks@cologne heißt ihre Veranstaltungsreihe und sorgt dafür, das angestaubte Image deutscher Bibliotheken abzustreifen. Ob die Kölner damit wirklich die beste deutsche Bibliothek ist, wie Moderator Christoph Deeg verkündete, mag ich nicht beurteilen. Die Geek-Veranstaltungen finde ich allemal großartig.

Erster Vortragender des Abends war Associate Director IT & Production Eli Neiburger von der US-amerikanischen Ann Arbour Library in Michigan. Ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Konzepten für Bibliotheken gehen seine Thesen wahrscheinlich so manchem Konservativen massiv gegen den Strich. Das aufschreiende Entsetzen blieb gestern aber aus, selbst als er verkündete: »There were libraries before there were books. And there will be libraries after there were books.« Denn davon geht er aus: dass Bibliotheken ihre Existenzberichtigung nicht länger als Sammler von Büchern bestreiten können. Vielleicht lag es an seiner äußerst charmanten Vortragsweise, jener Leichtigkeit, die Vertreter der englischsprachigen Länder offenbar mit der Muttermilch aufnehmen, mit der er nicht nur mich bezauberte. Oder es waren doch mehr Zuhörer gekommen, die sich so wie ich gerne mitreißen lassen von der Begeisterung für die Herausforderungen, denen sich etablierte Institutionen wie Bibliotheken oder Buchverlage seit der Erfindung des Internets stellen müssen. Neue Konzepte müssen her, und für den begeisterten Gamer liegt der Schlüssel in der Rolle des Unterstützers beim learning by doing.

Ähnliches stellte dann auch sein deutscher Rednerkollege André Spang dar. Der Musik- und Religionslehrer an der Kaiserin-Augusta-Schule in der Kölner Südstadt ist Leiter des iPad-Projekts. Was bedeutet: Er gestaltet seinen Unterricht papierfrei. Stattdessen nutzt er die eigens hierfür angeschafften Tablet-Computer, mit denen seine Schüler u.a. ihre Unterrichtsmaterialien selbst verfassen und in ihrem SchulWiki veröffentlichen. Damit erntet er natürlich nicht nur großen Zuspruch, zu sehr hat sich in unseren Köpfen die Idee verankert, Lernen dürfe nicht wirklich Spaß machen, müsse im Zweifel eher wehtun.

Dem informellen Lernen, so die Kernthese des Abends, gehört die Zukunft. Das Lernvermögen ist bei den allermeisten von uns vorhanden, einzig an der Lernbereitschaft mangelt es oft. Begeisterung und Leichtigkeit im spielerischen Kontext sind die Zauberworte: Wer sich in sehr jungen Jahren bereits 500 unterschiedliche Pokemon-Figuren merken kann und mit Enthusiasmus das dazugehörige Wiki befüllt, macht das nicht, weil ein Lehrer es aufgetragen hat. Bleibt also nur noch die Frage, wie lange es dauert, bis sich diese Erkenntnis auch an die entsprechenden Schaltstellen durchsetzt. Immerhin: Das SchulWiki der Südstädter kann mittlerweile stadtweit genutzt werden.

Und für euch liebe Kinder, die ihr noch immer schmerzvoll büffeln müsst, bleibt zumindest die Hoffnung auf innovativen Unterricht für eure Kinder. Das ist doch auch schon mal was wert…

 


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