Mehr Welten zum Leistungsschutzrecht

Mehr Welten zum Leistungsschutzrecht

Wahrscheinlich ist jedem von uns bereits der Begriff »Leistungsschutzrecht« (LSR) untergekommen. Aber ist auch jedem von uns klar, was das bedeutet? Nein? Kein Wunder, ist diese Gesetzesvorlage nämlich so vage formuliert, dass selbst Rechtsexperten kaum einschätzen können, wie weitgreifend das LSR unsere Internetwelt auf den Kopf stellen oder gar komplett zusammenfalten könnte.

In aller Kürze: Das Leistungsschutzrecht fordert, dass die kleinen Ausschnitte aus Zeitungsartikeln, die bei Suchergebnissen zusammen mit dem Titel und der URL des Artikels dargestellt werden, nur noch gegen Zahlung einer Lizenzgebühr an die Presseverlage benutzt werden dürfen. Inwieweit hiervon nur die großen Suchmaschinenbetreiber betroffen sein sollen (allen voran Google) ist völlig unklar: Ob dies auch (nicht-)kommerzielle Blogger oder sogar private Facebook-Profile zu potentiellen Lizenznehmern macht, soll im Nachhinein durch Gerichte geklärt werden. (Wer mehr über das LSR wissen möchte, schaut vielleicht mal bei Wikipedia vorbei. )

Meines Erachtens prallen hier zwei grundunterschiedliche Verständniskonzepte aufeinander. Das eine geht davon aus, dass sich Internetnutzer einem oder einer Handvoll Informationsanbietern verbunden fühlen und deren Angebote so konsumieren, wie sie es beim Abonnement der Printausgabe tun. Das andere Konzept lässt sich durch Inhalte leiten, wobei der einzelne Anbieter eine untergeordnete und die Suchmaschine eine extrem große Rolle spielt. Man könnte auch sagen: Konzept A ist in der analogen Welt steckengeblieben, während Konzept B von einem nicht-linearen, digitalen Verständnisansatz ausgeht. Ungeachtet aller hieraus resultierenden möglichen Mischformen stellt sich die Frage: Wohin geht der Trend? Meines Erachtens in die Richtung der freien Suche – auch wenn sie durch die Suchmaschinen vorstrukturiert und deshalb nicht wirklich frei ist.

Gleich wie groß die Verbundenheit zu einzelnen Anbietern ist: Bezahlen will kaum ein Internetnutzer für die dargebotenen Inhalte. Das stellt ein immenses Problem dar – aber kann dem sinnvoll begegnet werden, indem erst die großen Suchmaschinenbetreiber und in der Folge vielleicht auch noch alle Web 2.0-Nutzer zu Lizenzzahlungen verknackt werden? Oder ist das gar nicht das Ziel? Geht es vielleicht neben der potentiellen Einnahmequelle vielmehr um die Abschaffung des Mitmachwebs, diesem ungeliebten und unkontrollierbaren Konstrukt des 21. Jahrhunderts?

Was tun wir denn, wenn wir in unserem Facebook-Profil, auf unseren Blogs oder via Twitter einen Zeitungsartikel posten? Wir machen Werbung. Und das machen wir noch nicht mal gegen Rechnung. Nein, wir machen es KOSTENLOS. Je besser der Artikel, desto mehr kostenlose Werbung für den Verlag. Solange aber völlig unklar ist, ob wir uns damit zu Rechtsverletzern machen, sollten wir besser davon Abstand nehmen.

Und Google? In Frankreich hat der weltweite Konzern gerade ein Abkommen mit den dortigen Verlagshäusern getroffen. 60 Millionen Euro »Entwicklungshilfe« warten nun in einem Fonds darauf, innovative Konzepte zu finanzieren, die die Verlage unterstützen sollen, endlich in der digitalen Welt anzukommen. Hinzu kommen bis dato schwer durchschaubare Absprachen, die den Verlagen Werbeeinnahmen zusichern sollen.

Bleibt also zu hoffen, dass sich die strittigen Parteien auch hierzulande einigen. Welch abstruse Konsequenzen entstehen könnten, sollte in Deutschland statt einer Vereinbarung dieses angestrebte Gesetz verabschiedet werden, hat Prof. Thomas Hoeren von der Universität Münster in seinem, von Facebook beauftragten Gutachten dargestellt. Lesenswert!

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.